„Pfarrei im Porträt“

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Rüde Aladin und seine Besitzerin Monika Kloster sind mittwochs im Seniorenheim Albertus-Stift


Hunde, so heißt es, sind die besten Freunde des Menschen. Weil Kita-Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderung Freunde besonders gut gebrauchen können, gibt es in Bingen den „Besuchsdienst mit Herz und Hund“. Monika Kloster und ihr Aladin waren von Anfang an dabei.
 
„Ja, wer kommt denn da?“ ruft Elfriede Hahn entzückt, als sich die Tür öffnet. Herein schreitet Aladin. Er ist eigentlich ein Hund. Aber für Frau Hahn und viele andere Bewohner des Albertus-Stifts in Gau-Algesheim ist er so viel mehr als das. Der Rüde mit dem kuscheligem Fell und den treuen Augen kommt ihr eher vor wie ein Freund. „Aladin – Besuchshund“ steht auf seinem Hundehalstuch zu lesen. Denn es ist Mittwoch: Der Tag an dem Aladin mit seiner Besitzerin Monika Kloster seine Runde bei den Bewohnern des Albertus-Stifts in Gau-Algesheim macht. Monika Kloster packt eine Dose mit Leckerlis aus. Elfriede Hahn füttert Aladin damit, während sie ihm immer wieder übers Fell streicht. Der Hund genießt ihre Aufmerksamkeit. Die alte Dame strahlt.
Es sind diese Momente, die Monika Kloster immer wieder bestätigen in dem, was sie da tut. Im Jahr 2009 – da war Aladin gerade neun Monate alt, begann sie mit ihm die Ausbildung, seit 2010 ist sie beim „Malteser Besuchsdienst mit Herz und Hund“ aktiv, seit 2014 die Leiterin des Einsatzgebiets für Bingen und Umgebung sowie für die Theorieausbildung zum Besuchshunde-Team. Die Nachfrage ist groß: „Inzwischen sind wir in Bingen insgesamt 12 Hundehalterinnen und ein Hundehalterin Besuchsdienst – mit allem vom Chihuahua bis zum großen Berner Senner“, berichtet sie.
 
 Hütehund, Jagdhund - warum nicht Besuchshund?
 
Monika Kloster wuchs in Worms-Abenheim auf, einem „ländlich geprägten Ort“. Der Liebe wegen kam die Goldschmiedemeisterin vor 30 Jahren nach Gau-Algesheim, führt heute die „Goldschmiede am Markt“ in der Stadt. Ihre Freizeit gehört den Hunden und dem Besuchsdienst. Schon als Kind hatte sie im Mischling ihrer Eltern einen vierbeinigen Begleiter, und auch heute „gibt es meinen Mann und mich nicht ohne Hund.“ Zur Familie gehört inzwischen auch Enjoy, Aladins Nichte.
Auf die Idee, Aladin zum Besuchshund ausbilden zu lassen, kam Kloster durch seine Züchterin. Diese ist in Bad Kreuznach ein Besuchsteam mit Aladins Vater Balu. Monika Kloster weiß, wie „neugierig und lernwillig“ Hunde sind, wollte ihrem Rüden von Anfang an mehr bieten als nur Gassigehen. Seit jeher haben Hunde als Partner des Menschen Aufgaben: Als Hütehund, als Jagdhund, als Rettungshund. Aladin ist Besuchshund.  Elo nennt sich seine Rasse - sie  gilt als freundlicher, gutmütiger Familienhund.
 
Die Ausbildung bei den Maltesern erstreckt sich über zwei Jahre. Aus Hund und Halter wird im Lehrgang ein eingeschworenes Team. Doch es geht auch um praktische Fragen: Wie funktioniert eine Kita, ein Seniorenheim? Wie verhält man sich dort als Hundehalter? Wie geht man auf die Bewohner zu? Am Ende steht eine Aussendungsfeier, bei der die Hundebesitzer gesegnet werden und dann selbst ihre Tiere segnen.
 
 Wie Aladin einen Postboten becircte


 „Ich freue mich immer so, wenn Aladin kommt“, sagt Elfriede Hahn und klaubt noch ein Wurststückchen aus der Dose. Als sie vor zwei Jahren ins Albertus-Stift zog, hat sie ihn gleich liebgewonnen. Ob sie nicht anfangs Angst hatte? Aladin ist  schließlich kein Zwerghamster. „Nein, überhaupt nicht“, sagt die 93-Jährige fast entrüstet.
 
Bei ihren Besuchen werden die Hundehalter vom Sozialen Dienst der Einrichtungen vorbereitet und begleitet. So wissen sie, wem ein Besuch gut tun würde. Aber auch, wer Angst vor Hunden hat oder sie nicht mag.
Manchmal löst Aladin solche Probleme auf seine eigene Art. Wie bei dem Bewohner, der in seinem Berufsleben Postbote gewesen war und Hunde fürchtete. „Das klingt jetzt nach dem Klischee“, sagt Kloster lachend, „aber es war wirklich so.“ Aus sicherem Abstand beobachtete er wochenlang, wie Aladin die Herzen der anderen Senioren zuflogen. Und schließlich nahm er sich ein Herz und fragte: „Darf ich dem Hund auch mal ein Leckerchen geben?“ Seither sind sie Freunde, der Postbote und Aladin.
Dann war da noch der Bewohner, der einzog und keinerlei Kontakt wollte. Einsam saß er in seinem Zimmer, gab sich verschlossen. „Aber Aladin mochte er gleich, der hat einen Zugang zu ihm gefunden“, erinnert sich Monika Kloster. Inzwischen nimmt der Mann aktiv am Heimleben teil. „Ob's nur Aladin war, weiß ich nicht – aber auf jeden Fall war er ein Teil davon.“
Was können Hunde einem geben, was Menschen so nicht vermögen? Über diese Frage muss Monika Kloster nicht lange nachdenken. „Es ist diese Bedingungslosigkeit, da zu sein.“ Hunde bewerten nicht, vergleichen nicht. Es ist ihnen egal, ob einer klein und schwach ist, nicht mehr laufen kann oder Falten hat. Vielleicht fällt es ihnen deshalb so leicht, für ihre Besitzer im Besuchsdienst zu Tür- und Herzensöffnern zu werden.
 

 

Info


Hunde besuchen Einrichtungen
Der Malteser Besuchsdienst „mit Herz und Hund“ ist in folgenden Einrichtungen regelmäßig zu Gast: Kindergarten St. Martin Bingen, Senioren-Pflegezentrum Haus Andreas Bingen(2 Hunde), Seniorenheim Azurit Gensingen (2), Seniorenheim „Im Sohl“ Ingelheim, Haus St. Martin Ingelheim, Kindergarten Dromersheim, Caritas Altenzentrum Albertus-Stift Gau-Algesheim (2), Haus Birkenhof Jugenheim. Mehr Informationen im Internet: www.malteser-bingen.de

 

 

Dieser Artikel erschien am 2. Oktober 2016 auf der Porträtseite "Treffpunkt" der Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben".