„Pfarrei im Porträt“

Die neue Sonderbeilage der Mainzer Kirchenzeitung ist online. Viel Spaß beim Schmökern!

Wer auf den Straßen der Pfarrgruppe Oppenheim einen silbergrauen Bus mit einigen gutgelaunten Senioren entdeckt – der hat wohl den Franziskuskreis gesehen, unterwegs zu einem gemeinsamen Ausflug. Oder zur heiligen Messe in einem der Kirchorte. Seit sechs Jahren besteht die Gruppe, zu der alle Senioren der Pfarrgruppe eingeladen sind.

Ein sonniger Märznachmittag. Munter plaudernd tritt eine Seniorengruppe aus dem Café an der Mainzer Zitadelle. Gerade haben sie einen gemütlichen Spaziergang auf dem Gelände des ehemaligen Festungswerks gemacht, nach Kaffee und Kuchen geht es nun weiter zum Mainzer Rheinufer. „Auf geht’s!“, ruft Siegmund Guzik fröhlich und hilft der einen oder anderen der fünf Damen, die heute dabei sind, beim Einsteigen in den kleinen Bus. Die Augen der Seniorinnen leuchten, sie genießen sichtlich die galante Aufmerksamkeit, den abwechslungsreichen Ausflug.

Wenn Menschen in den Ruhestand gehen, dann haben sie häufig Pläne für sich selbst: Ausspannen, Ausruhen. Bei Siegmund Guzik (59) war das anders. Der schlanke Mann mit den grau-melierten Haaren und dem verschmitzten Lächeln war 30 Jahre als Analytiker im Labor tätig, ging 2013 in den Vorruhestand. „Ich habe mir damals gesagt: 'Jetzt hast du so viele Jahre gearbeitet, jetzt tust du was für die Menschen.“ Er fragte sich, wo er gebraucht werden könnte. Und befand, dass es in seinem Umkreis zu wenige Angebote für Senioren gab. „Das wollte ich ändern.“

Fahrtdienst zur heiligen Messe

Eigentlich begann alles schon 2010, als Guzik regelmäßig eine ältere Dame zur Sonntagsmesse fuhr, weil sie sonst keine Fahrtmöglichkeit gehabt hätte. Dann kam eine weitere Seniorin dazu, und dann noch eine. Irgendwann nutzte Guzik, der damals auch im Ortsausschuss seiner Pfarrei in Oppenheim war und bis heute Küster der Kirche Sankt Bartholomäus ist, den Bus der Gemeinde für die Touren zum Gottesdienst. Bei den Fahrten kamen die älteren Leute miteinander ins Gespräch, genossen den Aufenthalt in der Kirche und waren oft ganz beschwingt, wenn Guzik sie wieder heimbrachte. Er dachte sich: 'Daraus müsste man noch mehr machen.' Und bot seiner kleinen Truppe einen Tagesausflug nach Bingen an. Die alten Leute erinnern sich noch heute gern an diese erste größere Tour.
Siegmund Guzik wurde klar, dass ihm diese Menschen ans Herz gewachsen waren. „Im Alter werden viele so einsam“ sagt er. „Es kann nicht sein, dass sie nur im Sessel sitzen, fernsehen und sich irgendwann gar nicht mehr raus trauen. Darum müssen wir Jüngeren etwas für sie tun.“ Privat kümmert er sich mit seiner Frau auch um die betagten Eltern und Schwiegereltern. „Diese Generation, die nach dem verheerenden Krieg alles wieder aufgebaut hat, die gilt es zu unterstützen.“

Weil das Oppenheimer Pfarrhaus ein ehemaliges Franziskanerkloster ist und auf dem Hintergrund der Pfarrei ja irgendwie alles begonnen hatte, nennt sich die Gruppe „Franziskuskreis.“ Als er Rentner wurde, kaufte Guzik selbst einen Bus, um unabhängiger zu sein. Inzwischen sind sie fast jede Woche unterwegs. Viele Teilnehmer stammen aus Oppenheim, doch auch aus den anderen Kirchorten der Pfarrgruppe kommen immer mehr Menschen dazu. Neun Plätze gibt es im Bus, „wir können natürlich nicht jede Woche alle mitnehmen, also geht es reihum.“ Die meisten sind weiblich, viele zwischen 80 und 90 Jahren alt. „Unsere Älteste ist die Liesel, 93 Jahre und noch richtig fit!“, sagt Guzik. Bei den Fahrten wird er von wechselnden Helfern unterstützt.

Elidore Heilmann (80) aus Oppenheim kann nicht mehr gut laufen, ist auf Krücken angewiesen. „Wenn mich niemand abholt, dann komme ich auch nirgendwo hin“, erklärt sie. Umso mehr bedeute ihr der Franziskuskreis. Siegmund Guzik, den sie in der Gruppe alle nur liebevoll „Siggi“ nennen, könne „einfach wunderbar organisieren.“ Ähnlich sieht es Inge Lamberth aus Guntersblum. „Wir sind eine richtig gute Gruppe, ich bin so gern dabei“, sagt die 81-Jährige. Sie habe „viele neue Menschen“ dort kennengelernt – und sogar eine alte Bekannte wiedergetroffen: „Ich bin in Ludwigshöhe aufgewachsen, die Nachbarn hatten ein junges Mädchen eingestellt, die auch meine Geschwister gut kannte. Und jetzt haben wir uns im Franziskuskreis wiedergetroffen!“ Da wurde gleich in alten Zeiten geschwelgt.

Nicht jede Rente ist freilich so hoch, dass sich ein älterer Mensch viele Ausflüge leisten kann. Darum versucht Guzik die Benzinkosten, die er auf alle Teilnehmer umlegt, gering zu halten. Zwei Euro kostet die Fahrt von Oppenheim nach Mainz etwa, zuzüglich Ausgaben für Kaffee und Kuchen. Je nach Entfernung zahlen die Senioren schonmal 15 bis 20 Euro. „Wer das nicht so gut stemmen kann, den unterstützen wir – mit der Gruppe, aber auch mit Spenden aus der Pfarrei“, so Guzik.

Als Maria Polzin (81) aus Guntersblum vor vier Jahren Witwe wurde, wollte sie etwas gegen die Einsamkeit tun. „Der Kreis war ideal für mich. Es tut so gut, mit den anderen etwas zu unternehmen und rauszukommen.“ Gern denkt sie an Fahrten nach Speyer und Heppenheim zurück - „und besonders an Worms. Da war auch Pfarrer Lebisch dabei und er hat uns eine Führung durch die Liebfrauenkirche gemacht.“ Einmal monatlich nehme sich der Pfarrer die Zeit, um eine Fahrt zu begleiten.

Im Sommer geht der Franziskuskreis immer auf große Fahrt – schon zweimal haben sie eine Woche im Schwarzwald verbracht. Dieses Jahr steht der Bodensee auf dem Programm. „Da machen wir uns eine richtig schöne Zeit“, sagt Guzik. Oder, wie Inge Lamberth es ausdrückt: „So lange man sowas zusammen machen kann, muss man es auch machen!“

Dieser Text erschien am 23. April 2017 in der Sonderbeilage "Pfarrei im Porträt" zur Pfarrei Oppenheim in der Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben". Weitere Artikel dieser Ausgabe lesen Sie unter   www.kirchenzeitung.de