„Pfarrei im Porträt“

Die neue Sonderbeilage der Mainzer Kirchenzeitung ist online. Viel Spaß beim Schmökern!

Eine Jugendgruppe, die einen eigenen Förderverein aus begeisterten Ehemaligen hat. Sternsinger, die sich nicht nur als Könige verkleidet für ihre Hausbesuche treffen, sondern auch im Sommer zusammen wegfahren. Messdiener, die nicht genug kriegen von der katholischen Jugendarbeit und darum fast alle auch in der Katholischen Jugend aktiv sind – der Nachwuchs der Pfarreien gibt Hoffnung auf eine richtig gute Zukunft.

Die meisten jungen Leute sind in Jugendgruppen ihres Heimatortes aktiv, bis sie mit der Schule fertig sind und die nächste Lebensstation Ausbildung oder Studium heißt. Dann werden andere Dinge wichtiger, man zieht vielleicht um, hat neue Interessen. Doch wenn die Gemeinschaft der Gruppe gut war, dann bleibt man drin. Fährt vielleicht am Wochenende viele Kilometer, um Gruppenstunden zu leiten, hält Semesterferien für Zeltlager frei, leitet Jüngere beim Helfen auf Festen der Gemeinde an. „Da haben wir hier einige, die schon über 20 sind und immer noch gern dabei“, erklärt Julian Reibling lächelnd. Er selbst ist einer von ihnen: 2002 wurde er nach der Erstkommunion Messdiener und gleichzeitig auch in der Katholischen Jugend Obertshausen aktiv, Gruppenkind beim langjährigen KJO-Leiter Alexander Rudolf. Heute studiert der 24-Jährige Katholische Religion und Geschichte auf Lehramt in Frankfurt, doch die KJO ist fester Bestandteil seiner Freizeit geblieben und leitet das vierköpfige Organisationsteam. Dazu gehören auch Caroline Raczka, die sich in der KJO um die Events und Kleinkinderarbeit kümmert, Aline Rudolf, die Ministranten und Gruppenstunden betreut sowie Lina Dutzki, verantwortlich für Fahrten und Freizeiten.
Vier Gruppenstunden gibt es wöchentlich von der KJO, je zwei pro Pfarrei – wobei das keiner mehr so genau nimmt, seit 2003 die KJOs der beiden Pfarreien ohnehin fusioniert haben. „Allein in der Leiterrunde sind wir aktuell 41 Personen“, berichtet Reibling. Das braucht die KJO auch, nicht zuletzt bei ihren beiden großen Fahrten, die sie jährlich für Kinder und Jugendliche anbietet. Rund 60 Kinder fahren über Christi Himmelfahrt zum sogenannten langen Wochenende mit in ein Selbstversorgerhaus in der Region und kehren nach vier Tagen mit Geländespielen, Ausflügen und Nachtwanderungen glücklich heim. Das große Zeltlager mit 75 Teilnehmern  - davon 45 Kinder - wird in den letzten beiden Sommerferienwochen angeboten. „Viele kommen schon lange mit, weil es so eine schöne, familiäre Atmosphäre hat“, weiß Julian Reibling. Einige Jahre fand das Lager an der Rhön statt, doch dann war den KJOlern ein paar mal das Wetter nicht gewogen, sodass man in den vergangenen Jahren die Zeltheringe in Bayern einhämmerte. Baunach bei Bamberg soll es in diesem Jahr werden, die Planung von Reiblings Team ist fast abgeschlossen. Schon im Februar ging es damit los. So stellen etwa alle, die sich Gruppenleiter für das Zeltlager zur Verfügung stellen, ein eigenes Programm für die zehn Tage auf.

Besondere Wanderung zu Beginn

Ganz am Anfang steht der „Hike“, eine gemeinsame Wanderung mit allen Kindern und Jugendlichen. Mitgenommen wird nur das Nötigste für eine Nacht und Proviant, die Wanderstrecken sind den Altersklassen angepasst, geschlafen wird in rustikalen Schutzhütten. „Diese Wanderung gleich zu Beginn schweißt die Gruppen nochmal ganz eng zusammen“, so Reibling. „Mancher startet vielleicht lustlos, aber am nächsten Tag kehren wirklich alle total begeistert ins Zeltlager zurück und sind stolz, das geschafft zu haben. Es fördert auch die Gemeinschaft: Da wird mal der Rucksack des anderen mitgetragen oder ein Getränk geteilt.“ Ab dem Kommunionkinderalter wird das Zeltlager angeboten. Handys sind vor Ort tabu, da gehen die Gruppenleiter mit gutem Beispiel voran. Zu kostbar und knapp ist auch die Zeit: „Die Kinder helfen kochen, wir machen gemeinsame Ausflüge und Spiel. Da geht der Tag schnell rum.“ Für einen Tag schaut auch Pfarrer Hofmann vorbei, feiert mit den Lagerteilnehmern eine Zeltlagermesse.

Präsent im Pfarreileben

Doch das KJO-Leben besteht mitnichten nur aus Freizeiten. Die helfenden Hände der Pfarrjugend sind da, wenn sie gebraucht werden: Beim Pfarrfest etwa, da bieten die KJOler stets in der Kita ein eigenes Programm. Beim letzten Mal im vergangenen Juni bauten sie ihre Zelte im Garten der Kita Thomas Morus auf, sodass die Kleinsten sehen konnten, wie so ein Lager aussieht. Beim Italienischen Abend der Katholisch Aktiven Frauen (KaF) übernehmen sie den Service. Bei der Kerb des Vereinsrings sind sie mit der Jugendfeuerwehr für die Kinderbelustigung verantwortlich. Die Firmlingsjahrgänge der KJO tragen bei der Fronleichnamsprozession traditionell das Banner ihrer Jugendgruppe. Und im Dezember können Eltern echte KJO-Nikoläuse bestellen. 30 bis 40 Hausbesuche kommen so schnell mal zusammen.
Weil das alles so viel Spaß macht, wird mancher doch wehmütig, wenn er oder sie dem KJO-Alter endgültig entwachsen ist. Auch darum hat sich vor elf Jahren der Freundeskreis der KJO gegründet, dem viele Ehemalige, aber auch Eltern aktueller Gruppenkinder angehören. Die Gruppe um Stefanie Heßmer rührt in der Gemeinde die Werbetrommel für die KJO und beteiligt sich an größeren Ausgaben, die die Jugendlichen allein nicht stemmen können: Zeltausrüstung für die Lager etwa, aber auch Referentenhonorare für Gruppenleiter-Wochenenden. Nicht zuletzt gab sie einen ordentlichen Zuschuss für die Küche, die 2011 neu im ehemaligen Schwesternwohnhaus gegenüber der Herz-Jesu-Kirche für die Jugendgruppen eingebaut wurde.

Sternsinger? Ist man das ganze Jahr über!

Wer im Internet die Seite der Obertshäuser Sternsinger besucht, findet eine lange Liste mit über 30 Terminen. 'Aber der Dreikönigstag ist doch nur am 6. Januar?', mag da mancher denken. Bei den rund 50 Sternsingerinnen und Sternsingern von Sankt Thomas Morus und Herz Jesu beschränkt sich das Königsein für den guten Zweck aber nicht nur auf einen Tag. Los geht es bereits im Herbst mit einigen Vorbereitungstreffen. Denn Susanne Sajek (30), die ganz frisch die Leitung der Sternsinger übernommen hat und ihrem achtköpfigen Team ist es wichtig, dass die kleinen und größeren Könige wirklich gut gewappnet sind, wenn sie im Januar losziehen: So werden sie genau über das aktuelle Spendenziel der Aktion informiert – auch, um es bei ihren Hausbesuchen gut erklären zu können. Zum anderen übt man gemeinsam die Texte und Lieder, „gerade bei den Liedern ist ja jedes Jahr etwas Neues dabei“, erklärt Sajek. Sie selbst ist mit zarten drei Jahren zum ersten Mal bei den Sternsingern mitgelaufen: „Ich hatte ältere Geschwister, die dabei waren und meine Tante hat uns immer mitgenommen.“ So sei sie ganz früh hineingewachsen in diese Gruppe. Heute hat sie Freude daran, die Solidaraktion von Kindern für Kinder mit zu organisieren.

Viele tausend Schritte

Wenn Ende Dezember die Gewänder für die Aktion verteilt werden, sind alle schon ganz aufgeregt. Einige Sternsinger fahren jährlich zur bundesweiten Aussendungsfeier, alle anderen sind am 6. Januar bei der Aussendung in der Gemeinde dabei. Dann besuchen die sechs bis sieben Gruppen einige Tage lang die Haushalte in Obertshausen, die sich vorher bei der Pfarrei angemeldet haben. Außerdem die Kitas, die Seniorenheime, den Bürgermeister, die Malteser und viele weitere öffentliche Einrichtungen – da kommen schnell mehrere tausend Schritte zusammen. Damit sich weiter viele Kinder für die Aktion begeistern, hat das Leitungsteam ein eigenes Gremium gegründet, das sich um die Werbung für die Sternsinger in den Kitas und bei den Kommunionkindern kümmert.
Auch im Jahresverlauf treffen sich die Sternsinger: Zum einen zu einem gemeinsamen Ausflug – sozusagen ein Dankeschön für ihren großen Einsatz. Und dann am Ende des Jahres: Da wird der Film gezeigt, den die Sternsingeraktion alljährlich allen teilnehmenden Gemeinden zur Verfügung stellt und der zeigt, wie die im vorangegangenen Januar gesammelten Spenden eingesetzt wurden. „Das ist immer etwas Besonderes für uns, denn da sehen wir, was unsere Aktion bewirkt“, so Sajek. Dann sind „ihre“ Sternsinger so richtig stolz – und sie mit ihnen.

 

 

Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2017 in der Sonderbeilage "Pfarrei im Porträt" zur Pfarrei Obertshausen in der Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben". Mehr Texte aus dieser Ausgabe sowie alle weiteren Pfarreienporträts lesen Sie unter www.kirchenzeitung.de

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